Tiefe im Training 
Man kann über Kampfkunst viel reden – und noch mehr zeigen.
Aber am Ende zählt nur eins: Wahrheit.
Wahrheit zeigt der Körper, indem er sich bewegt: entweder stocksteif, fremd und hakelig oder elegant und leicht. 
Ein Training ist nie Selbstzweck.
Es ist Vorbereitung auf den Moment, in dem man nicht mehr nachdenken kann.
Beim Schwimmen ist das der Wettkampf. 
Beim Tennis das Turnier. 
Beim Fußball das Spiel. 
Man kann unzählige Videos schauen, verstehen, wie etwas theoretisch geht –
aber wenn der Körper es nicht abgespeichert hat, hilft alles Wissen nichts.
Ein Schwimmer, der das Kraulen nur auf YouTube gelernt hat,
kennt vielleicht die Technik – geht aber im Rennen unter.
Ein Tennisspieler, der weiß, wie man eine Rückhand schlägt,
aber sie nie verinnerlicht hat, trifft im Match keinen Ball.
Ein Fußballer, der Spielzüge auswendig kennt,
aber nie wirklich trainiert hat, steht beim Gegnerdruck still.
Im Kampfsport und in der Kampfkunst ist das ähnlich –
nur mit einem Unterschied:
Da bekommst du nichts dafür, wenn du’s nicht kannst.
Da bekommst du was anderes.
Aufs Maul. 
Die Straße ist kein Ort für Theorie, kein Raum für Halbwissen.
Sie verzeiht keine falsche Bewegung, keinen Reflex, der nur halb trainiert ist.
Deshalb funktioniert oberflächliches Wissen hier nicht.
Weil es nicht um Punkte, Medaillen oder Anerkennung geht –
sondern um Reaktion, Reflex und Überleben.
Tiefe heißt, dass etwas bleibt.
Dass der Körper weiß, was zu tun ist, ohne dass du’s erklären kannst.
Dass Bewegung nicht aussieht wie Technik,
sondern sich anfühlt wie Instinkt. 
Kampfkunst ist kein Sammeln von Wissen,
sondern ein Prozess des Einbrennens.
Nichts, das du besitzt – etwas, das du bist.
Kampfkunst ist eben kein Hobby, sondern Haltung. 
