Das Ego auf der Matte
Kaum etwas steht echtem Lernen so im Weg wie das Ego. Es begleitet jeden auf die Matte, ob Schüler oder Trainer. Manchmal zeigt es sich offen, manchmal versteckt es sich hinter Disziplin oder Selbstsicherheit. Doch es ist immer da, und wer glaubt, es im Griff zu haben, hat es meist schon verloren.
Das Ego will bestätigen, nicht verstehen. Es will gewinnen, nicht lernen. Es sucht Sicherheit und Kontrolle. Genau das ist das Gegenteil von Entwicklung. Wer ständig beweisen muss, was er kann, hat keine Kapazität, etwas Neues aufzunehmen. Viele trainieren, um sich selbst zu bestätigen – nicht um besser zu werden.
Bei Schülern zeigt sich das Ego im Widerstand gegen Korrektur, in der Angst vor Blamage, im Vergleich mit anderen. Bei Trainern zeigt es sich, wenn sie glauben, sie seien „fertig“. Wenn Autorität wichtiger wird als Authentizität, und wenn Kritik nicht mehr willkommen ist. Der Lehrer, der sich nicht mehr infrage stellt, lehrt Stillstand.
Das Ego zerstört die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, weil es Augenhöhe unmöglich macht. Der Schüler wagt keinen Widerspruch, der Lehrer duldet keinen. Beide bleiben in ihrer Rolle gefangen. Kampfkunst wird zur Bühne, nicht zur Schule des Lebens.
Wer trainiert, sollte sich fragen: Warum tue ich das? Um mich zu zeigen oder um mich zu verstehen? Um Kontrolle zu behalten oder mich zu verändern? Diese Fragen sind unbequem, aber notwendig.
Das Ego verschwindet nie, aber man kann lernen, es zu beobachten. Wer das schafft, trainiert anders. Nicht gegen andere, sondern gegen das eigene Muster. Dann wird die Matte zum Spiegel, nicht zur Bühne.
Kampfkunst ist der ehrliche Blick in den Spiegel.
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