Improvisieren (1. Teil)

IMPROVISIEREN

Was im Ernstfall übrig bleibt.

Kampfkunst kennt viele Trainingsmethoden.
Ein Ernstfall kennt nur eine: Improvisation.

Wir betrachten dieses Thema in drei Teilen:

🔸 Teil 1: Überleben, bevor man handeln kann
🔸 Teil 2: Warum Drills im Ernstfall funktionieren
🔸 Teil 3: Prinzipien statt Techniklisten

Heute beginnen wir mit Teil 1 unserer Trilogie.

Teil 1: Überleben, bevor man handeln kann

Im Ernstfall gewinnt nicht der, der am härtesten trainiert hat, sondern derjenige, der vorbereitet ist. Täter wählen Zeit, Ort, Technik und Methode. Das ist keine Laune, sondern Strategie. Überraschung ist keine Glückssache. Sie ist die effektivste Form von Gewalt. Genau deshalb wird sie auch von Spezialeinheiten genutzt.

Überraschung ist ein Doppelangriff.
Sie trifft zuerst den Kopf, dann den Körper oder – anders gesagt: Sie wirkt psychisch und physisch zugleich. Hierzu ein Beispiel aus „dem Leben“: Du greifst ein Backblech, denkst nicht darüber nach, spürst Hitze – und ziehst die Hand weg, bevor du überhaupt merkst, dass du sie wegziehst.
Das passiert ohne bewusstes Denken. Erst danach kommt der Schmerz. Dein Körper hat übernommen, bevor du verstanden hast, was passiert.

Warum passt es?
Dein Körper entscheidet reflexhaft zum Schutz – ohne dich zu fragen. Eine Überfall-Situation startet ähnlich, nur mit Schock + Gewalt statt Hitze.

Der Angriff passiert, während dein Gehirn noch im Alltag (Einkauf, Haustür, Feierabend, Gedanken, etc.) steckt. In Sekunden übernimmt der Hirnstamm, der für Reflexe zuständig ist. Der präfrontale Kortex, der Entscheidungen trifft und Handlungen plant, wird heruntergefahren. Adrenalin schießt hoch, bevor du überhaupt verstehst, was passiert. Der Körper schaltet bewusstes Denken ab, um dein Überleben zu sichern.

Die Folge:
zittrige Knie, verengter Blick, gestoppte Atmung, ungeordnete Bewegung. Kein Mensch reagiert hier klar. Nicht, weil er schwach ist, sondern weil es Biologie ist. Auch Menschen, die Überraschung als Taktik trainieren (Polizisten, Militär, Sicherheitspersonal), sind davon betroffen. Sie erholen sich nur schneller.

Viele verwechseln das. Sie reden von Kampf, obwohl sie nie überrascht wurden. Ein Streit z. B. im Bierzelt ist kein Überfall. Auch Türsteher, die merken, dass es gleich losgeht, werden nicht überrascht. Das ist Konfrontation – wir sprechen hier aber von Überfall.

Ein Ernstfall beginnt nicht mit Verteidigung.
Er beginnt damit, den ersten Angriff bzw. Die erste Angriffswelle zu überleben bzw. zu überstehen.

Wer die erste Welle überlebt, gewinnt Handlungsspielraum. Erst dann sucht der Körper nach etwas Vertrautem. Er erkennt Winkel, Druck, Bewegung und greift auf Muster zurück, die er aus dem Training kennt. Keine Techniklisten, eher Fragmente von Training-Drills. Improvisation entsteht nicht aus Kreativität, sondern aus Wiedererkennung im Chaos.

Du improvisierst nicht, weil du frei bist und alles möglich erscheint. Du improvisierst, weil dein Körper ein Stück Training gefunden hat, auf dem du aufbauen kannst.

Wenn du etwas wiedererkennst, kannst du handeln. Wenn du handeln kannst, kannst du die Dominanz des Angreifers brechen.
Erst dann wird Überleben zu Gegenwehr.

📌 Im zweiten Teil erklären wir, warum Drills nicht nachgespielt werden können und trotzdem unverzichtbar sind.

Wenn dir der Text gefällt, folge uns oder gib ein Like.
#Kampfkunst #Selbstverteidigung #Improvisation #Überfall #JKD #FMA #SaiFon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen