Realität im Training

Realität im Training

Viele Systeme behaupten, sie würden real trainieren. Das klingt hart. Die Realität bleibt trotzdem weit entfernt. Jedes Training folgt einem unausgesprochenen Deal. Niemand verletzt. Niemand tötet. Dieser Deal gilt immer. Jede Kampfkunst. Jedes System. Jede Halle. Jede Einheit. Auch die sogenannten Hardcore Trainings leben genau davon. Selbst berühmt-berüchtigte „Cage Fights“ funktionieren nur, weil auch dort klare Regeln existieren. Dieser Schutzrahmen macht das Training möglich. Ohne diesen Rahmen gäbe es keine Teilnehmenden.

Der Ernstfall kennt keinen Deal. Keine Grenze. Keine Absprache. Keine Rücksicht. Die Absicht des Angreifers ist oft klarer und brutaler als alles, was in einem Trainingsraum vorkommt. Genau an dieser Stelle bricht jede Simulation. Auch Vollschutz Anzüge ändern das nicht. Der Angreifer schlägt hart, spürt aber weder Risiko noch Schmerz. Der Verteidiger trifft hart, löst aber keine echte Wirkung aus. Treffer auf Augen oder Genitalien können nicht abgebildet werden. Ein Eye Jab schaltet sofort aus. Ein Tritt in den Unterleib zeigt nur dann Wirkung, wenn er ungefiltert trifft. Im Anzug sieht man nicht einmal, ob man gut trifft. Der Angreifer reagiert nicht real. Kein Schmerz. Kein Reflex. Kein Verlust des Gleichgewichts. Keine echte Eskalation.

Das Nervensystem erkennt diese künstliche Szene. Der Körper bleibt ruhig. Die Psyche bleibt geschützt. Genau das ist der größte Unterschied. Ein Ernstfall ist nicht sportlich. Er ist roh. Er ist chaotisch. Er ist laut. Er ist überraschend. Die Umgebung drückt. Der Boden ist schlecht. Der Angriff kommt schneller als der Gedanke. Der Schock trifft zuerst. Der Körper kippt in Stress. Das lässt sich nicht trainieren. Das lässt sich nicht simulieren.

Viele trainieren nur Mann gegen Mann. Die Realität bricht dieses Bild sofort. Mehrere Gegner verändern alles. Der Raum wird eng. Die Winkel werden schlecht. Die Dynamik kippt jede Sekunde. Jeder Gegner bewegt sich anders. Jede Lage ist anders. Kein Szenario wiederholt sich. Es gibt keine festen Muster. Es gibt keine universellen Regeln. Wer etwas anderes behauptet verkauft Fantasie.

Trotzdem bleibt Training unverzichtbar. Du trainierst nicht, um den Ernstfall exakt nachzubauen. Du trainierst, um deinen Körper vorzubereiten. Du wirst schneller. Du wirst klarer. Du wirst beweglicher und belastbarer. Du baust Bewegungen so tief ein, dass der Körper im Ernstfall automatisch reagiert. Der Ernstfall lässt nur das durch, was sitzt. Genau darum trainierst du.

Auf der Straße funktioniert kein Verteidigungsalphabet. Kein A gegen A. Kein B gegen B. Kein sauberes Schema. Der Angreifer denkt. Der Angreifer überrascht. Der Angreifer nutzt Fehler. Der Verteidiger braucht deswegen etwas anderes. Er braucht Anpassung. Er braucht Entscheidungen in Sekundenbruchteilen. Er braucht Improvisation. Wie beim Stolpern. Der Körper reagiert bevor der Kopf versteht. Genau dafür trainierst du. Alles andere bleibt Theorie.

Kampfkunst ist Klarheit.
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