Zombie-Kampfkunst

Kampfkunst ist kein Event. Es ist ein Weg.

Neulich lief ich in der Stadt an einem Stand einer Ving-Tsun-Schule vorbei. Schüler standen dort, kein Trainer. Ich fragte nach: Woher kommt das System? Was beinhaltet es? Was macht es aus? Antwort: Schweigen. Niemand konnte mir auch nur die grundlegendsten Dinge sagen. Gleiches hatte ich schon einmal mit Vertretern eines hiesigen Karate-, Taekwondo- und Judo-Vereins.
Ehrlich gesagt: Das ist schade. Da trainiert jemand seit Monaten oder Jahren eine Kampfkunst – und weiß praktisch nichts darüber. Genau das ist für mich der Spiegel unseres Zeitgeistes. Hauptsache schwitzen, Hauptsache Spaß, Hauptsache man fühlt sich „aktiv“. Fortschritte? Fehlanzeige. Jede Einheit beginnt wieder bei Null, weil der Kopf nicht mittrainiert.
Aber Kampfkunst ist nicht Fitnessstudio. Es geht nicht nur darum, dass ein Trainer mit Pappnase die Leute bespaßt, sie ins Schwitzen bringt und sie glauben: „Jetzt habe ich trainiert.“ Nach zwei, drei Jahren gehen viele dann wieder, überzeugt davon, sie hätten „genug“ für ihre Selbstverteidigung getan. In Wahrheit haben sie nie verstanden, was sie da eigentlich geübt haben.
Das Ergebnis? Kampfkunst-Zombies. Menschen, die sich halbwegs bewegen können, aber keinerlei innere Verbindung zur Kampfkunst aufgebaut haben. Kein Verständnis für Prinzipien. Kein Bewusstsein für Stärken oder Schwächen. Keine echte Entwicklung.
Meine These: Kampfkunst ist weitaus mehr als körperliche Übungen. Es geht um innere Haltung, Vertrauen in Trainer und in sich selbst, das Interesse an Hintergründen, Prinzipien und Zusammenhängen. Wer nur den Körper trainiert, verpasst den Kern.

Kampfkunst ist kein Event. Es ist ein Weg.

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