Richtig reagieren

Richtig reagieren

Wie sieht Ihre Strategie aus, falls Sie tatsächlich angegriffen werden sollten – bzw. haben Sie sich damit überhaupt schon einmal befasst? Würden Sie einfach davon laufen, ohne Plan, ohne Ziel? Wenn Sie diese Strategie verfolgen, müssen Sie sich nicht wundern, wenn Ihre Flucht kein gutes Ende nimmt. Durch Ihre Panik, Ihren Tunnelblick und Ihre unkoordinierte Flucht könnten Sie es evtl. ihrem Peiniger erleichtern, anstatt ihm zu entfliehen. Egal wie schnell Sie sein mögen, egal wie viele Haken Sie schlagen: Ohne zu wissen, wohin Sie laufen, stolpern Sie dem Täter wohl möglich direkt vor die Füße. Hierzu ein Beispiel aus der Tierwelt:

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Was also ist zu tun?

Zunächst die Botschaft: Befassen Sie sich hin und wieder geistig mit dem Problem, plötzlich von einem oder mehreren Tätern angegriffen zu werden.  Verfallen Sie nicht in das Denken: “Ach, dass kann mir gar nicht passieren!” Problematisch ist, dass viele Trainer – vor allem in Chrash- bzw. Selbstverteidigungskursen aber auch im “normalen” Training – dazu raten, sich grundsätzlich durch Flucht dem Angreifer zu entziehen. Zwar ist Flucht ein evolutionär sinnvoller Gedanke, muss “heutzutage” aber nicht immer sinnvoll sein. Dazu folgender Grundgedanke:

Flucht macht nur Sinn, wenn man sich als Flüchtender auch wirklich sicher ist, schneller und ausdauernder als der/die Angreifer zu sein.

Eigentlich eine Binsenweisheit. Wenn man zum “älteren Semester” gehört und/oder übergewichtig und/oder unsportlich und/oder … ist, sollte man eine Flucht unbedingt vermeiden! In diesen Fällen ist es taktisch klüger, all seine physische und psychische Kraft (auch all seine Courage) in eine andere Verdeitigungsstrategie zu investieren.

Stellen Sie sich vor: Sie können weder schnell noch ausdauernd laufen, flüchten aber dennoch. Sie haben ihre Flucht durch eine Technik – wie im Training gelernt und geübt – gut vorbereitet. Bis hierhin: Alles richtig gemacht. Nun flüchten sie also. Dies wird durch den/die Täter realisiert. Entweder der/die Täter laufen ihnen nicht hinterher, dann wäre es gut. Oder: Sie laufen hinter Ihnen her. In diesem Fall zählt nur eines: Schneller und/oder ausdauernder zu sein, als der/die Angreifer. Sollten Sie nicht schneller und/oder ausdauernder sein, haben sie folglich zwei Probleme: Zum Einen die Angreifer, zum Anderen sich selbst, bzw. die eigenen Ressourcen, die – teilweise oder gänzlich – durch Ihre Flucht verbraucht wurden (hier auch an den Stressfaktor wärend einer Flucht denken!). Ist also Flucht – per se – tatsächlich eine gute Strategie und daher universell einsetzbar? Entscheiden Sie selbst mit ihrem klaren Menschenvertand.

Was bei einer Flucht zu beachten ist

Vorweg: Bedenken Sie bitte, dass die meisten Opfer keinerlei Vorerfahrung haben und das jeder Ernstfall anders ist! Bedenken Sie bitte ebenso, dass jeder eigene Fehler die Gesundheit und/oder das Leben (auch anderer Personen) beeinträchtigen kann. Hierzu lesen Sie bitte auch “Die Realität des Ernstfalls”.  Für alle Gedanken hier ist wichtig für Sie zu wissen, was überhaupt ein Ernstfall ist und was er, wenn man nicht angemessen reagiert, für Folgen haben kann.

Thema: Fluch. Auch wenn man meint, schneller und ausdauernder als der Angreifer zu sein, bedeutet es nicht, seine Flucht “ungeordnet” anzutreten. Ein “klares Köpfchen” zu behalten, so man es denn trotz des Stresses auch kann, ist absolut vorteilhaft. So ist es z. B. von Vorteil, die Flucht grundsätzlich in die Richtung anzutreten, in der eine schnelle Hilfe (Öffentlichkeit herstellen) zu erwarten ist. Was aber, wenn man sich in der betreffenden Gegend nicht auskennt, z. B. weil man sich im Urlaub in einer völlig fremden Umgebung befindet? Hier kann es dann auch nur noch um Schadensbegrenzung gehen.

Eine Flucht würde hier nur in die Richtung Sinn machen, aus der man kam (die man also kennt) und von der aus wiederum Hilfe zu erwarten ist. Dorthin wiederum können Sie allerdings nur flüchten, sofern Ihnen Ihr gegenüber den Weg dahin nicht versperrt. Bitte denken Sie immer an die Gazelle! Prinzipiell ist es klug, die bereits bekannten, präventiven Ratschläge einzuhalten, also z. B. nicht den kürzeren Weg wählen, wenn dieser gefährlicher (weil z. B. dunkler, abgelegener) ist.

Bei der Flucht vor Ihrem Peiniger sollten Sie ebenfalls folgende Dinge beachten, sofern dies überhaupt – aufgrund des hohen Stresspotentials – möglich ist:

Sie sind gut trainiert
Sie haben gute Nerven
Sie haben keine Drogen genommen (auch kein Alkohol)
Sie wissen, dass sie schneller sind
Sie wissen, dass sie ausdauernder sind
Sie tragen geeignetes Schuhwerk
Sie kennen die Umgebung
Sie müssen nichts zurücklassen (z. B. Tasche, Handy, persönliche Dinge)
Sie versuchen nicht zu experimentieren
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