Crashkurse

Crashkurse

Oft stößt man im Internet auf Anbieter, die mit Crashkursen werben. Hierbei handelt es sich um Kurse, die den Trainierenden in die Lage versetzen sollen, sich in kürzester Zeit auf der Straße zu verteidigen.

Oftmals wird in der Werbung auf die Kontakte der Anbieter mit der Polizei und/oder sogenannten „Sicherheitsexperten“ hingewiesen. Häufig wird damit geworben, dass durch diese Kurse die persönliche Sicherheit erhöht wird. Es heißt, man könne sich so vorbereiten, dass es erst gar nicht zum Kampf kommt. Letztlich kann dennoch nicht auf Verteidigungstechniken verzichtet werden. Erklärt wird, dass dies zum „Plan B“ gehöre, sofern alle vorherigen „Deeskalationstechniken“ versagen. Hierzu ein Beispiel:

Sichern Sie sich im Alltag gegen Übergriffe, Mobbing und verbale Anfeindungen. Durch unseren Selbstverteidigungskurs für Frauen entwickeln Sie eine Wahrnehmung für gefährliche Situationen und lernen Selbstverteidigungstechniken für den Notfall.

Lernen Sie innerhalb von zwei Tagen wie Sie Situationen bereits vor der Entstehung einer Gefahr einschätzen können und handlungsbereit sind. Durch unseren Selbstverteidigungskurs werden Sie darauf vorbereitet, dass Sie möglichst ohne, dass es zu einem Kampf kommt, einen sicheren Ausweg aus bedrohlichen Situationen finden. Zudem lernen Sie wie Sie sich bei Übergriffen oder Angriffen effektiv verteidigen können.

Tag der Recherche: 06.01.2020

Sich innerhalb kürzester Zeit in günstigster Form zu verändern, ist der Wunsch vieler Menschen. Abnehmen, eine Top-Figur zu bekommen und wehrhaft zu sein, stehen auf der Wunschliste weit oben. Diese Ziele sind bekanntlich schwer zu erreichen, dass wissen die Anbieter von „Crash-Kursen“. Deshalb gilt: Je besser die Werbung, umso höher die Glaubwürdigkeit. Die Aussicht, innerhalb kürzester Zeit ansich Unmögliches zu realisieren ist daher ebenso verlockend, wie absurd.

Die Chance, im Lotto den Jackpot zu gewinnen, liegt bei 1:140 Millionen. Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt etwas im Lotto zu gewinnen, liegt bei 1:54. Im Kontext hierzu liegt die Chance, innerhalb kürzester Zeit “unbesiegbar zu werden”, bei „0“. Die Werbung entspricht exakt dem alten Sprichwort: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr.“ Bekanntermaßen ist dies nicht möglich.

Dieser Artikel setzt sich von daher bewusst kritisch mit dem Thema Crash-Kurse auseinander. Grund hierfür ist, dass diese Kurse ein völlig falsches Bild über die Kampfkunst bzw. den Kampfsport in die Welt transportieren. Crash-Kurse bieten „flüchtige Lösungen“, der Kampfsport steht für „nachhaltige Qualität“. Fakten, wie z. B. die Kriminalstatistik und Lerntheorien sind in diesen Kursen nicht integriert. Befeuert wird zudem die Angst vieler Menschen, selbst Opfer einer Gewalttat zu werden.

Genau hier setzt die kritische Auseinandersetzung mit den Crash-Kursen an. Dieser Artikel macht diese Kurse transparenter und gibt einen Einblick in die Strategien der Anbieter.

 

Um was es geht

Definition

Worum es in diesem Artikel geht, sind sogenannte „Crash-Kurse“. Im Wiktionary findet sich zum Begriff folgende Bedeutung: „Kurs, der in kurzer Zeit die wichtigsten Aspekte eines Themas lehrt.“ Im Wikipedia steht: „Lehrveranstaltungen, die den Wissensstoff wesentlich schneller vermitteln, werden als Crash-Kurse bezeichnet.“ Hier die Indikatoren von Crash-Kursen:

  1. Ausgangslage: Die Teilnehmer besitzen keine, wenige oder spezifizierte Vorkenntnisse.
  2. Ziel: In kürzester Zeit Wissen zu erwerben.
  3. Konzept: Lerninhalte in Stunden, Tagen oder Woche zu vermitteln.
  4. Qualität: Verifizierte Zertifikate
  5. Anwendungsgebiete: Erlernen einer Fremdsprache, Erwerb des Führerscheins, Spezialisierungen,  einheietc.

Die Definitionen ergeben sich aus dem Kontext, entsprechende Themen komprimiert in einem kleinen Zeitfenster zu vermitteln. Ein eingängiges Beispiel ist der Erwerb des Führerscheins. Normalerweise finden die Unterrichtseinheiten einmal in der Woche statt, ebenso die Trainingsfahrten. Insgesamt beläuft sich der Zeitaufwand auf ca. 6 – 9 Monate. Grund hierfür ist, weil die jeweiligen Termine weit auseinanderliegen (wochenweise). Legt man die Termine näher zusammen, ist der Erwerb ebenso in einem 2-wöchigen Kurs möglich. Dann mit täglichem Unterricht. Deutlich wird: Komprimiert heißt nicht weniger Lerninhalt, sondern nur weniger Zeit. Demnach stellt sich nur die Frage, wie viel Zeit geeignet ist, um die Lerninhalte erfolgreich (zertifiziert) zu vermitteln.

Probleme

Genau hier entstehen die Probleme der Crash-Kurse, um die es in diesem Artikel geht. Die obige Werbung sieht für die Teilnehmer folgende Zielsetzungen vor:
  1. Schaffung von Sicherheit vor Übergriffen, Mobbing und verbale Anfeindungen im Alltag
  2. Entwicklung der Wahrnehmung für gefährliche Situationen
  3. Erlernen von Deeskalationstechniken in bedrohlichen Situationen
  4. Lernen von  (effektiven) Selbstverteidigungstechniken

Es fällt sofort auf, dass keines der oben genannten Ziele verifizierbar ist. Die Ziele sind so allgemein gehalten, dass selbst das minimalste Gefühl, die minimalste Entwicklung und das minimalste Erlernen als Erfolg des Kurses bezeichnet werden kann. Im Grunde ist allein die Teilnahme selbst als Erfolg zu bezeichnen. Taucht man tiefer in die Materie einer jeden Zielsetzung ein, wird bewusst, dass jedes Ziel für sich das Potential eines eigenen, langwierigen Kurses hat. Für manche Inhalte trainiert ein Kampfsportler ein Leben lang (z. B. erlernen effektiver Selbstverteidigungstechniken).

Es ist zu konstatieren: Einerseits fehlt die Zeit zur Umsetzung der vielen großspurigen Inhalte, andererseits kann man eine „erfolgreiche Teilnahme“ durch nichts verifizieren, weil es nichts gibt, womit sich z. B. „Sicherheit“ definieren lässt. Das ist der Trick: Es geht ausschließlich um die individuelle Wahrnehmung, um Gefühle und um Befinden. Das Klientel dieser Kurse besteht zumeist aus Menschen mit problematischen Erlebnissen und/oder in problematischen beruflichen oder persönlichen Kontexten oder aus der Zielgruppe der eher ängstlichen. Diese Menschen kommen mit Hoffnungen. Dieses Mischprinzip macht es Anbietern einfach, ihr Klientel zu manipulieren. Die Gruppendynamik und der Gruppendruck sorgen für den Rest. Positive Rückmeldungen sind praktisch vorprogrammiert. Nichts ist nachweisbar, alles hängt an individuellen Gegebenheiten und Empfindungen.

Hintertür

Auch wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass der Kurs einem Teilnehmer nicht in einem Ernstfall geholfen hat, geht den Anbietern die Argumentation nicht aus. Sie können behaupten, dass dieser Teilnehmer die Techniken einfach nicht richtig angewendet hat.

Und wie wird sonst mit Erfahrungswerten umgegangen? Ganz einfach: Negative Rückmeldungen werden entweder ignoriert, dementiert oder verdreht, positive Rückmeldungen vermarktet. Gibt es nicht so viele positive Rückmeldungen, werden kurzerhand welche erfunden. Im Rahmen des Datenschutzes sind diese Rückmeldungen sowieso nicht nachprüfbar. Wie oben bereits erwähnt ist das Hauptproblem dieser Kurse , dass nichts an ihnen “echt” bzw. verifizierbar ist.

 

Wie funktional sind Crash-Kurse?

Fehlende Beweiskraft

Der Punkt ist: Es fehlt die Beweiskraft über die positive Wirkung dieser Crash-Kurse. Selbst wenn mit vielen zufriedenen Teilnehmern geworben wird, bedeutet es nicht, dass sich alle diese Kunden schon in Ernstfällen mit den erlernten Inhalten bewährt haben. Genaugenommen heißt es nur, dass der Kurs selbst gut war und gefallen hat. Ob er faktisch hilfreich ist bzw. war, kann niemand sagen. Wie anfangs erwähnt: Es fehlen die Referenzen und somit die Beweise. Es gibt keinerlei Statistiken oder Daten, die gesichert bzw. anerkannt sind.

Qualitätsstandards

Es existieren auch keine einheitlichen Qualitätsstandards. Dies betrifft sowohl die Art der Ausbildung (Qualifikation), die jemand haben sollte, um so einen Kurs zu leiten, als auch die inhaltliche Ebene. Die Frage ist: Welche Techniken und Prinzipien sind für ein Crashkurs-Curriculum notwendig, damit es – bewiesenermaßen – effektiv ist? Ebenso sind die Kosten eines solchen Kurses frei verhandelbar. Kurzum: Es gibt nichts, woran sich die Qualität dieser Kurse messen lässt. Es bleiben lediglich Behauptungen und Versprechungen.

Klientel

Das die meisten Teilnehmer an Crash-Kursen zudem keinerlei Wissen von Selbstverteidigung, Kampfsport, Kampfkunst und/oder dem Ernstfall haben, ist günstig für die Anbieter. Die einzigen Informationen beziehen Teilnehmer zumeist aus dem Internet, aus Filmen und vom Hörensagen. Oft ist gefährliches Halbwissen die Folge. Viele (wollen) glauben, der Kampfsport wäre anders als alle anderen Sportarten und macht einen bereits in Tagen fit. Obgleich niemand das Wort “unbesiegbar” ausspricht, ist es in seiner Konsequenz genauso gemeint. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Unversehrtheit ist oft übermächtig.

Wirkung

Apropos Hörensagen: Man hört (und liest) oftmals nur “Gutes” von diesen Crash-Kursen. Auf den Webseiten der Anbieter finden sich – wie o. g. – ausschließlich positive Rückmeldungen ehemaliger Teilnehmer. Warum? Weil die Rückmeldungen nicht die WIRKUNG der Crasch-Kurse spiegeln, sondern das EVENT “Crash-Kurs” selbst, also wie er organisiert wurde und wie sich die Trainer darstellten. Es geht bei diesen Rückmeldungen konkret um die erlebte Zeit mit dem Kurs, den Teilnehmern und den Trainern. Auch geht es, wie oben bereits erwähnt, hauptsächlich um Gefühle. Zumeist wird man die Aussage “Seit diesem Kurs fühle ich mich sicherer” hören und/oder lesen. Was genau damit gemeint ist, erfährt man nicht. Was bleibt ist das Gefühl und Gefühle lassen sich nunmal nicht verifizieren.

Inhalte

Noch ein Blick auf die Inhalte dieser Crash-Kurse: Diesbezüglich wickelt jeder Leiter eines Kurses sein eigenes Rerpertoire ab. Es gibt kein einheitliches Curriculum. Ein Judo-Trainer z. B. wird Würfe, Hebel, Würger und Haltegriffe bevorzugen, ein Karate-Trainer mehr Faustschläge und Tritte, ein Box-Trainer Boxtechniken und ein Krav-Maga-Trainer sein eigenes Curriculum. Über den eigenen Tellerrand wird – meiner Erfahrung nach – nur sehr wenig geschaut. Hin und wieder kommt es vor, dass sich ein Trainer auf einem art-fremden Seminar fortbildet. Aber auch dann bleibt die Grundstruktur Judo, Karate, Krav-Maga, usw. grundsätzlich erhalten. Techniken werden kurzerhand aus den Seminaren “geklaut” und als eigene Technik bzw. Entwicklung deklariert.

 

Authentizität

Motivation

Glaubt wirklich jemand an Unbesiegbarkeit, Non-Kontakt KO, Spinnensinn und Unverwundbarkeit? Glaubt wirklich jemand daran, in kürzester Zeit mit wenig Aufwand viel abzunehmen? Wenn nein, warum glauben so viele, in kürzester Zeit (obiges Beispiel: 2 Tage) wehrhaft zu sein? Warum setzen all diese Mechanismen bei der Selbstverteidigung, beim Kampfsport und/oder der Kampfkunst aus?  Ein Grund dafür könnte sein, dass der Wunsch nach Sicherheit und Unversehrtheit oft übermächtig ist. Man hört auf “höhere Instanzen”, hat Gottvertrauen und sucht Heilsversprecher. Ein asiatisches Aussehen, ein schwarzer Gürtel, ein phantasievoller Name für eine Kampfkunst und eine von Erfolgen und Supertaten gespickte, selbstgeschmiedete Vergangenheit, machen die Fassade perfekt.

Qualifikation der Trainer

Es stellt sich die Frage der Authentizität. Haben die Trainer von Chrash-Kursen ihre Wissen und Können eigentlich auch aus Crash-Kursen? Wäre doch toll und würde zeigen, wie nachhaltig derartige Kurse sind. Die Antwort: Alle Trainer, die derartige Kurse anbieten, sind bereits seit Jahrzehnten im Geschäft und werben sogar, wenn sie Crash-Kurse anbieten, mit ihrer langjährigen Erfahrung im Kampfsport. Erkennen Sie den Widerspruch? Die Werbung von Crasch-Kursen verspricht: 2 Tage reichen, um dich fit für die Straße zu machen. Die Realität macht deutlich: Nur ein jahrelanges, regelmäßiges und intensives Training schafft Qualität und kann jemand gut werden lassen. Aber auch diese Information ist nicht neu, letztlich ist sie die Philosophie für alles im Leben. Stellen Sie sich Crash-Kurse fürs Lesenlernen, Autofahren, Flugzeug führen oder für Lehrer vor.

Sicherheitsbehörden

Am häufigsten ist in der Werbung für Crash-Kurse aber zu lesen, dass die Trainer selbst bei Polizeibehörden arbeiten oder gearbeitet haben. Suggeriert werden soll: Die Leiter derartiger Crash-Kurse sind Fachleute, kennen sich aus, sind kompetent und wissen, was sie tun. Mir machen insbesondere die Zusammenhänge Angst. Ich frage mich: Werden Polizisten, Spezialeinheiten und Militärs ebenfalls durch Crash-Kurse ausgebildet? Natürlich nicht, denn auch hier weiß man: Nur ein regelmäßiges und intensives Training zahlt sich aus und garantiert Fortschritte! Überall dort, wo Polizisten und Spezialeinheiten trainieren, werden die Fortschritte über ein Curriculum verifiziert. Übrigens: Wenn Polizisten einen Crash-Kurs leiten, dann zu 99% nicht wärend ihrer Dienstzeit und/oder gar im Auftrag der Polizei. Sie machen es rein persönlich und sicherlich nicht gemeinnützig! Sie sind sich zumeist über ihre Wirkung durch ihren Beruf bewusst und setzen diesen gewollt zur Werbung ein.

Bedeutet…

Authentisch sind die Anbieter von Crash-Kursen nicht. Egal wo und mit welchem Blickwinkel man auf die Trainer der Crash-Kurse schaut wird deutlich: Um so gut zu werden, dass Techniken reflexartig und Prinzipientreu ausgeführt werden und dass man sicher weiß, was bei einem selbst funktioniert und was nicht, ist ein jahrelanges Training nötig.

 

Mein Fazit

Die Inhalte

Inhaltlich sind diese Kurse absolut widersprüchlich und unseriös. Wie o. g. gibt es keinerlei Qualität-Standards, die garantieren, dass eine Technik bzw. ein Prinzip in der Realität wirkt. In einem Ernstfall sind die Rollen eher vertauscht: Die Täter geben den Ton an. Jede Gegenwehr kann helfen aber auch schaden. Die These, sich generell immer zur Wehr zu setzen, ist – um es ganz deutlich zu sagen – völlig irrsinnig und falsch! Viele Gewalttaten haben gezeigt: In einer Situation war eine Gegenwehr gut und hat geholfen, ein anderes Mal führte sie zu schweren Verletzungen oder gar dem Tod des Verteidigers. Es gibt keine universelle Regeln für den Ernstfall. Um im Ernstfall sein – der Situation entsprechendes – Handeln abzuwägen, benötigt man weitaus mehr, als ein paar schlecht trainierte Techniken. Vielleicht werden sich die Trainer zukünftiger Crash-Kurse Glaskugeln zulegen und diese dann unter den Teilnehmern verteilen. Denn nur, wer in die Zukunft sehen kann, ist sich gewiss, was in einem Ernstfall tatsächlich Wirkung zeigt und wovon man besser die Finger lassen sollte.

Qualität

Die Ziele der Crash-Kurse sind zu groß, grob und unüberschaubar gefasst, für die meisten benötigt man Jahre, um sie überhaupt annähernd abarbeiten zu können. Die Crash-Kurse taktieren mit den Gefühlen ihrer Teilnehmer. Gefühle wiederum lassen sich einfach manipulieren. Von daher steht die Frage nach dem Gefühl der Sicherheit im Vordergrund, nicht nach der tatsächlichen Sicherheit, welche versprochen wird. Die Trainer wissen: Spektakuläre Techniken, das Training mit einem Schlagpolster und die Verlegung des Trainingsortes z. B. in eine Parkgarage garantieren ein positives Empfinden der Teilnehmer. Befeuert wird dies durch die Unwissenheit der Teilnehmer. Sie kennen die Kontexte nicht. Sie wissen nicht, wie lange man überhaupt eine Technik trainieren muss, um sie in der Realität gelingen zu lassen. Da geht es um Kraftübertragung, Wirkungsprinzipien, Körpermechanik, Kondition, Koordination, Psyche, Bewusstsein, etc. Die Qualität der Kurse liegt also darin, die Teilnehmer zu unterhalten, sie zu überraschen und in eine Fantasiewelt zu entführen. Insofern sind Crash-Kurs nicht anderes, als eine Magie-Show, an der die Teilnehmer praktisch teilnehmen.

Realistik

Die Crash-Kurse verkaufen Sicherheit, die es real nicht gibt. Die Frage, wann man wirklich sicher ist, würde jeder für sich individuell beantworten. Der Umkehrschluss: Jeder benötigt andere Dinge, um sich sicher zu fühlen und sicher zu sein. Von daher ist die Überlegung, es gebe eine Art “kollektive Sicherheit” falsch. Der Logik nach gibt es auch keine universellen Techniken, die für jeden gleich sicher sind und die jeder gleichgut anwenden kann. Die Crash-Kurse werben aber mit genau dieser Masche: Techniken, die leicht zu erlernen sind und für jeden die gleiche Sicherheit schaffen. In unserem obigen Beispiel werden diese Techniken “Verteidigungstechniken für den Notfall” genannt.

Zielgruppen

Die größte und meist beworbene Zielgruppe der Crash-Kurse sind Mädchen und Frauen. Die Annahme: Frauen sind schwach und werden am häufigsten angegriffen bzw. überfallen. Ein gängiges Vorurteil, denn tatsächlich werden Männer häufiger Opfer von Gewalttaten. Dies wird bereits seit Jahren durch die umfangreichen Statistiken des BKA gelegt. Gleichfalls sind es aber wiederum die Männer, von denen am meisten Gewalt ausgeht. Der Übergriff im Parkhaus, der Raub am helligten Tag, das Zusammentreten eines Opfer, das “Abziehen” von Kleidung, usw. passiert am häufigsten Jungen und Männern. Warum sich das Vorurteil, Frauen wären die meisten Opfer, so hartnäckig hält, ist zumindest rational nicht zu erfassen. Emotional ist dieses Vorurteil kollektiv verwurzelt. Aller Wahrcheinlichkeit nach handelt es sich hierbei um ein Medienprodukt: Diese Schlagzeile lässt sich offensichtlich besser vermarkten.

Dies wird auch der Grund dafür sein, dass insbesondere Mädchen und Frauen im Fokus der Crash-Kurs-Anbieter stehen. Mit dieser Zielgruppe wird das meiste Geld verdient. Da in der Öffentlichkeit Frauen tatsächlich häufiger (eigentlich: bewusster) als Opfer wahrgenommen werden, wird dieser Bedarf natürlich dankend bedient. Des einen Leid ist des anderen Freud. Dieser Masche kann man nur entgehen, indem man sich bildet. Gepflegt werden muss der Verstand, nicht das Gefühl!

Insgesamt

Das der Verstand mehr gepflegt werden sollte, als das Gefühl, ist ein guter Rat und ansich schon ein geeigneter Schluss. Crash-Kurse, die versprechen, in kürzester Zeit Sicherheit zu erlangen, sind zutiefst unseriös. Hier muss der Verstand eingreifen. Teilnehmer werden von den Anbietern belogen und betrogen, indem ihnen Versprechungen gemacht werden, die nicht zu erfüllen sind. Bildlich gesehen sind diese Crash-Kurse nichts anderes als der Verkauf von Heizdecken: Die Produkte entsprechen in keinster Weise der angepriesenen Qualität, gewinnen können hierbei nur die Anbieter.

Doch es gibt Ausnahmen! Crash-Kurse, die zum Ziel haben, in einen Kampfsport, eine Kampfkunst oder ein Thema hinein zu schnuppern, sind durchaus sinnvoll. Zumeist nennen sie sich selbst aber nicht Crash-Kurs, sondern z. B. Schnupper- oder Kennlernkurs. Diese Kurse sind sehr zu empfehlen und äußerst hilfreich, wenn man gerne eine Kampfkunst trainieren möchte aber noch keine genaue Vorstellung von den Unterschiedlichkeiten hat. Entsprechend müsste man dann allerdings an mehreren Kursen unterschiedlicher Anbieter teilnehmen.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.